Jüdischer Friedhof


Die Jüdische Friedhof in Zittau wird von der Initiative Erinnerung und Versöhnung, unterstützt von der NetzWerkStatt – Zeitgeschichte und Zivilgesellschaft , betreut und gepflegt. Der Friedhof gehört der jüdischen Gemeinde Dresden und wird von der Städtischen Dienstleistungs-GmbH Grünflächen verwaltet

Der Jüdische Friedhof in Zittau gilt heute als geschlossen. Die Initiative Erinnerung und Versöhnung bietet aber regelmäßig Führungen an. Im Kutschhaus der Hillerschen Villa kann auch der Friedhofsschlüssel ausgeliehen werden. Unter dem weiter unten angegebenen Kontakt können Sie mit uns in Verbindung treten.

Hinweise zum Jüdischen Friedhof

Jüdische Friedhöfe können an allen Tagen, außer am Sabbat (Freitag-Samstag Abend), besucht werden.

Männliche Besucher tragen eine Kopfbedeckung, sie zeigen damit die Ehrfurcht vor Gott, traditionell tragen Juden eine Kippa.

Auf jüdischen Friedhöfen gibt es keinen Blumenschmuck, zum Gedenken an die Toten werden kleine Steine auf die Gräber gelegt. Dieser Brauch stammt wahrscheinlich aus der Zeit als das Volk Israel durch die Wüste gewandert ist, durch Steine wurden die Gräber geschützt. Der Brauch Steine abzulegen, hat sich bis heute in der jüdischen Welt erhalten.

Auf dem Friedhof sind Menschen begraben, die eine wichtige Rolle in der Stadtgeschichte gespielt haben. Die Namen von Bursch, Jacobi, Foerder, Seiler, Manneberg, Pinner weisen auf wichtige Geschäfte der Innenstadt hin. Herr Neubauer war ein Prediger der jüdischen Gemeinde. Jakob Haller ist der Vater eines wichtigen Architekten. Familie Freund sind die Eltern von Berta Freund, der Ehefrau von Gustav Hiller, dem Besitzer der Phänomenwerke (später Robur).

Zur Geschichte des Jüdischen Friedhofs von Zittau

 
Bild: Zimmermann & Hönel
Nach Gründung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Zittau suchte die Gemeinde ein geeignetes Grundstück für einen Friedhof. Verhandlungen mit der Evangelisch–lutherischen Kirchgemeinde über einen Teil des Frauenfriedhofs in der Innenstadt scheiterten. Schließlich kaufte die Gemeinde 1887 ein Grundstück an der Görlitzer Straße und weihte im selben Jahr ihren Friedhof. Bis dahin fanden Begräbnisse Zittauer Juden in Görlitz statt.
Eine Friedhofsordnung regelte die Begräbnisse, sie legte vier Grabfelder fest. Die ältesten Gräber befinden sich im hinteren Teil (C) des Friedhofes. Das Feld D ist Kinderbegräbnissen vorbehalten.
1908 baute die Gemeinde im Eingangsbereich eine Leichenhalle, der zu kleine Vorgängerbau entsprach nicht mehr den Anforderungen. Bis in die 30iger Jahre gab es über 60 Beerdigungen, auch aus den Städten Löbau und Reichenau.
Am 10. November 1938 wurden in Zittau die Synagoge in der Innenstadt und die Leichenhalle sowie mehrere Gräber zerstört. 1942 entfernte eine Schrottfirma auf Weisung der NSDAP alle Eisenteile von den Gräbern um sie für den Krieg einzuschmelzen. Der Erlös des Metalls war geringer als der Arbeitsaufwand.

Ein großer Gedenkstein, der erste auf dem Gebiet der ehemaligen DDR (1948), wurde von dem ehemaligen Häftling der Zittwerke Mordka Schwarz gestiftet. Er erinnert an die jüdischen Bürger aus Zittau und der Umgebung, die während der Shoa ermordet wurden. Nach dem Krieg wurde der jüdische Friedhof mehrmals geschändet. Aktenkundig sind Übergriffe, bei denen unbekannte Täter Grabsteine umstießen und zerschlugen, im Jahr 1947, in den siebziger und neunziger Jahren und zuletzt im Jahr 2003.

 
Fehlende Eisenteile
Foto: Hillersche Villa
Zerstörter Grabstein
Foto: Hillersche Villa
Damals gründete sich die Initiative „Erinnerung und Versöhnung“, die seitdem zusammen mit der Städtischen Dienstleistungsgesellschaft den Friedhof regelmäßig pflegt.

Die Initiative forscht zu einzelnen Gräbern und den dazu gehörigen Biografien, sorgt für deren Veröffentlichung und für regelmäßige Führungen, um den „guten Ort“ (makom tow) aber auch die dort begrabenen Menschen wieder ins Bewusstsein der Stadt Zittau, ihrer Bewohner und Nachbarn zu bringen.
 
Modell der Leichenhalle, von Studierenden der FH Zittau unter Prof. Tomlow gebaut; zu sehen in den Städtischen Museun Zittau. Bild: Hillersche Villa


Seit 2013 arbeiteten Archäologen und Studierende der Universitäten Potsdam und Berlin auf dem Friedhof mit dem Ziel, Reste der Grundmauern der Trauerhalle zu finden. Die Umrisse der Halle sollen dauerhaft sichtbar gemacht werden. Die Ergebnisse der fortlaufenden Grabungen werden zu den jährlichen Tagen des offenen Denkmals einer breiteren Öffentlichkeit gezeigt und erläutert.

Quelle: Eine erste überblickhafte Beschreibung des Zittauer Jüdischen Friedhof erfolgte 1994 durch Brocke/ Ruthenberg/ Schulenburg in ihrem Buch „Stein und Name“ und 1998 eine weitere Veröffentlichung durch die Historikerin Katrin Griebel im Buch „Juden in der Oberlausitz“.


Begräbnisordnung des Jüdischen Friedhofs in Zittau

In der nachstehenden Datei finden Sie einen Auszug aus der Begräbnisordnung des Friedhofes der Israelitischen Religionsgemeinde zu Zittau.
 
Begräbnisordnung
(ca. 85.9 kByte)
 

Kontakt

Armin Pietsch
Fon 03583 / 779622
Fax 03583 / 779613
Mail a.pietsch@hillerschevilla.de
Web www.erinnerung-versoehnung.de

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