Das Dorfkino blickt zurück
Dorfkino – was für ein Titel – die unterschiedlichsten Spekulationen gab und gibt es über unser Projekt – machen die Dorfbewohner nun schon selbst Kino? Oder lebt das alte bekannte Landkino wieder auf? Oder gibt es nun Extra-Kinovorstellungen für die Dorfbewohner? Oder bauen wir gar selbst ein neues Kino?
Keine Frage trifft es, aber alle Fragen zusammen kommen der Wahrheit sehr nahe. Denn wir such(t)en Kinostoff in Großhennersdorf, unseren Arbeitsort, und präsentieren es hier in der Region. Keiner der Teilnehmer hatte vorher eine Beziehung zu Großhennersdorf – der Ort war ihnen fremd – ihr vertrauter Ort war Zittau, Löbau oder gar Neusalza Spremberg. Und jetzt Großhennersdorf. Ich sehe die leichte Skepsis meiner TN noch genau vor Augen – was soll denn hier schon passieren? Und falls doch, lohnt es sich denn hier Filme zu drehen? Nun sind 12 Monate vorbei – und wir stellen fest– es gab hier einiges zu entdecken und es gab so manchen Film zu drehen. Keiner von uns wusste genau wohin sich das Projekt entwickeln würde. Es war das erste seiner Art hier in Sachsen. Ein Projekt für ehemals arbeitsuchende Menschen – mit medienpädagogischen Ansatz. Unterstützt vom Fachdienst für Arbeit und Beschäftigung und konzeptioniert und umgesetzt von der Hillerschen Villa.
15 Filme sind entstanden, doch nicht nur das – zwei Teilnehmer fanden bereits vor Ende des Projektes Beschäftigung, andere Teilnehmer haben auch nach dem Projekt genaue Vorstellungen wie ihr Leben nach dem 30.11.2010 weitergeht und ganz viele haben sich persönlich verändert – ihren Blick geöffnet. Denn gerade mit dem Medium Film kann man seine sozialen Fähigkeiten wunderbar schulen und weiterbilden. Dinge wie Kritik- oder Teamfähigkeit, Eigenverantwortung und Organisation oder auch das Zurückstecken einiger Interessen sind elementare Bestandteile einer Filmproduktion. Ein nicht immer leichter und reibungsloser Prozess von der ersten Filmidee bis zum fertigen Produkt – doch dann, wenn der Film läuft und man mit anderen Menschen ins Gespräch kommt, Anerkennung von ihnen erfährt, merken wir die wahre Wirkung des Projekts. Die Teilnehmer können stolz auf ihre Arbeit sein, sie bekommen Applaus, Aufmerksamkeit und Respekt – Dinge welche in der heutigen Arbeitswelt nicht selbstverständlich sind. Dieses Projekt schafft Motivation - Motivation wieder arbeiten zu wollen. Es ist viel entstanden – die Bandbreite ist groß – Dokumentationen, Porträts über Menschen hier im Ort, Spielfilme, Musikvideos, ein Theaterstück, ein Brettspiel über Großhennersdorf, sowie eine Fotoausstellung über Menschen hier in Großhennersdorf – all das sind Ergebnisse unserer Arbeit . Wir sind mächtig stolz darauf – denn in diesen vielen Filmen lernten wir das Dorf, das Dorf uns, aber auch wir uns neu kennen.
Doch nicht nur auf dem künstlerischen Bereich waren wir unterwegs – auch für bewerbungsvorbereitende Maßnahmen nehmen wir uns Zeit. Dafür war im
speziellen mein Kollege Henri Peinzger verantwortlich – Er führte Gespräche mit den Teilnehmern über ihre berufliche Vergangenheit, aber auch Zukunft – er ermöglichte der Gruppe einen direkten Austausch über deren Stärken und Fähigkeiten – die sich manch einer selbst noch gar nicht bewusst war. Und natürlich nutzten wir auch die Kamera dabei und spielten Bewerbungssituationen durch und analysierten dann diese über Bildschirm – nicht jeden fiel dies leicht – aber Wirkung hat diese Maßnahme bei allen gezeigt. Die letzten 12 Monate waren für uns alle eine sehr intensive Zeit – jeden Wochentag von 9 bis 15Uhr gingen wir unserer Arbeit, hier im Speicher auf dem Volksgut in Großhennersdorf nach und dafür möchte ich mich bei allen bedanken – den vielen Großhennersdorfern, welche uns mit Requisiten, Drehorten und natürlich ihren Aktionen vor der Kamera unterstützten. Den externen, von mir eingeladenen Menschen, welche bei uns Workshops und Seminare hielten. Aber auch den Mitarbeitern der Hillerschen Villa und dem Fachdienst.
Zum Schluss kann ich nur sagen, dass ich hoffe, dass das Projekt weitergeführt wird, denn wir sehen es ist ein Gewinn für alle! Ein kleines Indiz ist auch die Auszeichnung für den medienpädagogischen Preis der SLM am 01.12.2010 in Dresden.