Stolpersteine für Zittau


Stolpersteine, das sind kleine Betonquader, darauf Messingplatten, die in wenigen Worten an Menschen erinnern, die während der NS- Herrschaft verfolgt und ermordet wurden. Bündig eingelassen in den Bürgersteig vor den Häusern, in denen sie gelebt haben, erinnern diese „Denkmale von Unten“, lassen uns für einen Moment innehalten und nachdenken. So versteht der Kölner Künstler Gunter Demnig seine Installationen. Inzwischen lassen Initiativen in ganz Deutschland und Europa Stolpersteine in ihren Orten verlegen. Die Verlegung wird ausschließlich aus Spenden finanziert.

Stolpersteine in Zittau im Überblick

 

Die Zittauer Stolpersteiner erinnern an:


Prof. Dr. Carl Klieneberger

 
Joseph Carl Klieneberger wurde am 25. April 1876 in Frankfurt am Main, als Sohn des Offiziers und Kaufmanns, Adolf Klieneberger und seiner Frau Sophie, geb. Hamburger, geboren.
Im Oktober 1894 begann Carl Klieneberger sein Studium der Medizin und Naturwissenschaften, an den Universitäten von Straßburg, Kiel und Berlin. Am 14. Februar 1899 legte er das medizinische Staatsexamen in Kiel ab und erhielt er seine Approbation als Arzt. Im Jahr 1896 leistete er während seines Studiums seinen Militärdienst am 1. Lothringischen Infanterieregiment in Straßburg.

Seine berufliche Laufbahn begann Dr. Klieneberger unter anderem in der chirurgischen Abteilung Ebersfeld und im Heiligen Geist Hospital in Frankfurt am Main. 1905 wechselte er zum Klinikum der Königsberger Universität Albertina. Am 7. März 1906 habilitierte sich Dr. Klieneberger für das Fach der Inneren Medizin. Am 5. April 1911 wurde er zum Privatdozenten und außerordentlichen Professor berufen. Seine Tätigkeit in Zittau begann Prof. Dr. med. C. Klieneberger am 1. Januar 1912 nach seiner Ernennung durch den Zittauer Stadtrat als Direktor des Stadtkrankenhauses und Chefarzt der Inneren Medizin. Daneben führte er auch eine eigene Praxis. Am 7. Juli 1912 heiratete er Frau Auguste Odebrecht in Königsberg. Seine erste Tochter Annemarie kam am 28. November 1913 in Zittau zur Welt.

Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde Professor Klieneberger 1914 nach Inor/Frankreich abkommandiert, baute dort das Seuchenlazarett auf und führte es als Chefarzt bis 1918. Am 6. April 1918 wurde Stabsarzt Klieneberger nach Warschau versetzt und blieb dort als Garnisonsarzt bis Kriegsende. Für seine Leistungen als Militärarzt wurde Professor Klieneberger mehrfach ausgezeichnet. Nach dem 1. Weltkrieg arbeitete Professor Dr. med. Klieneberger weiter als Direktor des Stadtkrankenhauses und Facharzt für Innere Medizin. 1925/1926 baute Professor Klieneberger auf der Bismarckallee 22 (heute Weinauallee) sein eigenes Haus. Das Ehepaar Klieneberger zog dort mit seinen drei Kinder ein: Annemarie, Liselotte und Carla. Im Jahr 1933 wurde Professor Klieneberger als Leiter des Zittauer Krankenhauses und Chefarzt der Inneren Abteilung auf der Grundlage von §6 des ,,Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ in den Ruhestand entlassen.

Prof. Klieneberger war zahlreichen Denunzierungen ehemaliger Kollegen und Patienten ausgesetzt. Außerdem musste er wegen seiner jüdischen Abstammung Demütigungen hinnehmen. Ihm wurde verboten das Krankenhaus zu betreten und als ehrenamtlicher Schularzt tätig zu sein, der Besuch des Schwimmbades wurde ihm untersagt Am 1. Oktober 1938 sollte Professor Klieneberger seine Approbation als Arzt entzogen werden.

Einen Tag zuvor, am 30. September, schrieb er an seine Frau: ,,Liebe Gustel, Treue halten, die innere Linie wahren, philosophisch das Leben betrachten, Revolutionsopfer werden, wenn ein anderer Ausweg unehrenhaft und untragbar ist und untragbar wird, ist pflichtgemäßes Gebot der schwarzen Stunde. Dein dankbarer Carl. „ Und an seine Mutter: ,,Meine liebe Mama, ich weiß, dass ich Dir größten Kummer bereite! Aber ein Leben, ohne relativ befriedigende Arbeit und mit ständiger äußerer Entehrung kann dein Sohn nicht mehr führen. Das werden auch Anni und Julius, wenn sie sachlich erwägen, zugeben müssen. In treuer Liebe und kindlicher Anhänglichkeit, dein Carl. „

Danach nahm er sich mit Zyankali das Leben. Carl Klienebergers Schicksal teilten drei Jahre später seine 93-jährige Mutter und seine Schwester Anni. Beide Frauen entzogen sich ihrer Deportation durch Freitod. Andere Familienmitglieder konnten Deutschland verlassen: Carls Bruder Otto reiste 1939 allein nach Südamerika. Er sah seine Familie, die in England geblieben war, nie wieder und starb 1956 in Südamerika. Schwester Emmy ging bereits 1933 nach England. Carls zwei ältere Töchter, Annemarie und Liselotte, emigrierten ebenfalls 1939 nach England. Carls Frau, Auguste Klieneberger blieb mit ihrer jüngsten Tochter Carla in Zittau, wo sie sich nach Kriegsende politisch engagierte. Sie war eine der Mitbegründerinnen der Ortsgruppe des Demokratischen Frauenbundes und saß für die LDPD im Stadtrat. 1948 ging sie mit ihrer Tochter nach Frankfurt am Main ins Elternhaus ihres verstorbenen Mannes. Sie verunglückte 1964 tödlich. Carla Klieneberger verließ 1952 Deutschland und lebt heute mit ihrer Familie in Amerika.


Dr. Max Brinitzer

 
Max Brinitzer wurde am 21. April 1889 in Zittau geboren. Seine Eltern Adolph und Henriette wohnten auf der Inneren Weberstraße 17 und betrieben hier ein kleines Wäsche-Geschäft. Nach dem Abitur 1909 studierte Max Brinitzer in Berlin Medizin. Als junger Arzt nahm er in einem Seuchenlazarett in Frankreich am 1. Weltkrieg teil.
Nach dem Kriege eröffnete er als Kassenarzt eine Praxis in der Inneren Weberstraße 17, 1935 in der Hochwaldstraße. 1939, nach Entzug der Approbation zog er in die Hospitalstraße 4a (heute Dr.-Brinitzer-Straße). Seine nichtjüdische Ehefrau Elly Brinitzer stand ihm in diesen Jahren zur Seite. Beide mussten zur Zwangsarbeit. Max Brinitzer klebte in einer Werkstatt in der Äußeren Weberstraße Einlegesohlen. Elly Brinitzer arbeitete in einer Munitionsfabrik in Eckartsberg. 1942 erkrankte Max Brinitzer schwer, durfte aber weder behandelt noch operiert werden. Für den 16. Februar 1944 hatte er den Deportationsbefehl. Der Luftangriff verhinderte die Deportation. Max Brinitzer konnte untertauchen. Nach der Befreiung wurde er Amts- und Kreisarzt sowie Leiter des Gesundheitsamtes.

Am 21. August 1946 starb Max Brinitzer an den Leiden und Misshandlungen der NS-Zeit.



Elias Cohn und Betty Adam

 
Elias Cohn wurde am 24. Januar 1879 in Wollstein im damaligen Posen geboren. Ab 1913 führte er ein Textilwarenkaufhaus in der Reichenberger Straße 22 in Zittau. 1935 musste er das Kaufhaus aufgeben und das Haus verkaufen. Er zog in sein Haus in der Uferstraße 16 (heute Külzufer).
Ab 1939 lebten in diesem Haus auch Elwina und Gertrud Cohn sowie Betty Adam, die offensichtlich mit Elias Cohn verwandt waren. Die Schicksale von Elias Cohn und Betty Adam sind bekannt. Was mit den beiden anderen Frauen geschehen ist, ist nicht bekannt.

1942 teilte der Zittauer Oberbürgermeister Zwingenberger dem Einwohnermeldeamt mit, dass Elias Cohn von der „Judenliste“ zu streichen sei, „da er am 24. Januar 1942 in Untersuchungshaft in Leutendorf (Sud.)“ gestorben sei. In Leutendorf befand sich allerdings kein Untersuchungsgefängnis, sondern ein Arbeitslager, dessen Häftlinge vor allem im Steinbruch und im Straßenbau arbeiten mussten. Dieses Lager ähnelt dem von Groß Rosen, basierte also auf dem Prinzip „Vernichtung durch Hunger und Arbeit“.

Betty Adam, geborene Biberfeld, wurde am 17. April 1870 in Lissa (Posen) geboren. Sie kam wahrscheinlich 1939 nach Zittau und wohnte bei Elias Cohn in der Uferstraße 16. Am 8. September 1942 wurde sie mit dem Transport V/6 von Dresden nach Theresienstadt deportiert. Laut Theresienstädter Gedenkbuch ist Betty Adam am 26. März 1944 umgekommen.



Olga Dienstfertig und Elsa Gückel

 
Olga Dienstfertig wurde als erstes Kind des Handelsmannes David Felix und seiner Frau Rosa, geborene Werner, am 17. Juli 1876 im böhmischen Rackonitz geboren. Die Eltern sind auf dem jüdischen Friedhof beerdigt. Ab 1924 wohnte Olga Dienstfertig mit der Familie ihrer Tochter im Haus Breite Straße 1. In ihrer Wohnung betrieb sie ein kleines Textilgeschäft.
1937 musste die Familie die Wohnung aufgeben. Olga Dienstfertig lebte für einige Monate am Mandauer Berg 12 (heute 8) bei der Familie Mandelbaum. 1938 zog sie in das Henriettenstift, das jüdische Altersheim in Dresden.

Am 14. Juli 1942 wurden die meisten Bewohner des Altersheims nach Theresienstadt deportiert, darunter auch Olga Dienstfertig. Laut Theresienstädter Gedenkbuch kam sie dort am 29. Dezember 1942 um.

Elsa Gückel, geboren am 6. August 1900 in Zittau, war das einzige Kind von Olga Dienstfertig. Ihre Tochter Marianne, Jahrgang 1922, erzählt über die Jahre bis zu den Nürnberger Rassegesetzen von einer behüteten Kindheit. Lange versuchten die Eltern Alltagsprobleme jener Zeit von ihr fernzuhalten. Ab 1935 ging dies nicht mehr. Die Mutter durfte als Volljüdin nicht mehr Kino, Theater oder Ausstellungen besuchen. Marianne selbst durfte als „Halbjüdin“ nicht auf die Höhere Schule gehen. 1938 musste die Familie die Wohnung auf der Breite Straße verlassen und zog in eine wesentlich kleinere und billigere „Sozialwohnung“ in der Nordstraße 15. Der Druck auf den Vater, sich von seiner jüdischen Frau zu trennen, nahm zu. Anfang 1944 hielt er diesem Druck nicht mehr Stand und reichte die Scheidung ein.

Pfingsten 1944 wurde Elsa Gückel verhaftet. Wahrscheinlich fiel sie einer Denunziation zum Opfer. Nach einer Nacht im Gestapo-Keller des Zittauer Rathauses wurde sie nach Bautzen gebracht und von dort aus nach Auschwitz deportiert. Die letzte persönliche Nachricht ist eine Geburtstagskarte an ihre Tochter, die in Neisse am 6. August abgestempelt, also offensichtlich aus dem Zug geschmuggelt wurde.

Nach bisherigen Recherchen ist Elsa Gückel Anfang 1945 in Bergen-Belsen umgekommen.



Leo Elend

 
Leo Elend trat 1929 die Stelle des Religionslehrers und Predigers in der Israelitischen Religionsgemeinde in Zittau an. Innerhalb wurde er als Lehrer und Mensch sehr geschätzt, insbesondere für seinen ausgeprägten Gemeinschaftssinn.

Zunächst wohnte er in der Komturstraße. Wenige Wochen nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, wurde Leo Elend durch die SA verhaftet:
„Das bei dem jüdischen Rabbiner beschlagnahmte Schriftmaterial richtet sich gegen die hinter der Regierung stehenden Parteien, so dass sich seine Inschutzhaftnahme erforderlich machte. In seiner Wohnung wurde überdies ein Schächtmesser für Geflügel beschlagnahmt, da das Schächten in Sachsen gesetzlich verboten ist.“ Wie lange und wo Leo Elend inhaftiert war, ist nicht bekannt. 1934 zog Leo Elend in die Reichenberger Straße 19. Vermutlich fühlte er sich hier sicherer. Das Haus gehörte Eugen Förder, einem Mitglied des Vorstandes der Gemeinde.

Im Juni 1938 übernahm Leo Elend die jüdischen Sonder klassen in Chemnitz. Von hieraus wurde am 10. November nach Buchenwald verschleppt. Im selben Monat wurden die Mittel für die jüdischen Schüler gestrichen und Leo Elend wurde entlassen.

Am 8. März 1939 schied Leo Elend freiwillig aus dem Leben. Seine Frau Bertha verließ wenig später Deutschland. Das Schicksal der Tochter Ruth ist unbekannt.



Paula und Herrmann Keil

 
 
Paula und Hermann Keil waren 1930 aus Berlin nach Zittau gekommen und eröffneten in der Inneren Weber Straße 29 ein Hut-Geschäft. 1933 gehörten Hut-Keils zu den ersten jüdischen Geschäftsleuten, die denunziert wurden. Auf diesem Weg versuchten einige Zittauer und Löbauer, das Ehepaar Keil aus dem Geschäft zu drängen, zeigten sie an, weil sie angeblich zu niedrig Preise kalkulierten, Ramschware verkaufen und ihre Verkäuferinnen drangsalieren würden. Der Antrag der Putzmacherinnung auf „Gewerbeuntersagung wegen Unzuverlässigkeit“ muss mangels gesetzlicher Grundlage angelehnt werden. In den folgenden Jahren werden Paula und Hermann Keil immer wieder denunziert. Ende 1938 allerdings werden auch die „gesetzlichen Grundlagen“ geschaffen. „Hut-Keil“ wird zwangsarisiert. Zuvor allerdings erlebt die Familie Keil schreckliche Tage und Nächte. Noch am Abend des 9. November marschieren SA-Leute durch die Straßen.
Am nächsten Morgen brennt die Synagoge. Die Fensterscheiben jüdischer Geschäftsleute werden zerschlagen, die Auslagen geplündert. Augenzeugen berichten später, dass durch die Innere Weber Straße Hüte flogen. Hermann Keil wird gemeinsam mit anderen jüdischen Männern verhaftet und nach Buchenwald verschleppt. Am 29. Dezember wird er entlassen.

Kurz darauf verlassen Paula und Hermann Keil gemeinsam mit ihrem Sohn Georg Zittau. Georg Keil gelang die Flucht aus Deutschland. Er verstarb 2004 in Australien.

Paula und Hermann Keil wurden am 03.02.1943 nach Auschwitz deportiert. Sie gehörten wahrscheinlich zu jenen, die bei unmittelbarer Ankunft im Vernichtungslager „aussortiert“ wurden und sofort in den Gaskammern verschwanden.



Emma und Adolf Lachmann

 
 
Emma und Adolf Lachmann kamen schon 1902 nach Zittau. Sie eröffneten in der Bautzner Straße das Kurzwarengeschäft „Fließ & Co.“. Auch im Falle Lachmanns griff man zum Mittel der Denunziation. So bekam ein Zittauer Friseurmeister, selbst langjähriges NSDAP-Mitglied, große Schwierigkeiten, weil Adolf Lachmann nicht nur ein Kunde bei ihm war, sondern er ihm wie allen Kunden auch noch die Hand zum Abschied schüttelte. Wer bei Lachmanns oder im Reichenauer Geschäft „Fließ & Co.“ einkaufte, lief Gefahr, im „Stürmer“ per Leserbrief denunziert zu werden. SA Leute postierten sich vor dem Eingang. Wahrscheinlich zogen Adolf und Emma Lachmann schon 1936 nach Berlin, um in der Anonymität der Großstadt unterzutauchen. Ihre Adresse in den Berliner Adressbüchern, das Grab des Sohnes Walter in Berlin Weißensee und nicht zuletzt die Aussage der langjährigen Haushaltshilfe stützen die Annahme dieses Umzugsdatums, zwei andere Quellen sprechen von einem späteren Termin. Weitere Forschungen sollen Aufschluss zu diesem wichtigen Datum bringen.
Am 14.08.1942 wurden Emma und Adolf Lachmann mit einem so genannten Alterstransport nach Theresienstadt und am 16.05.1944 nach Auschwitz deportiert. Sie kehrten nicht zurück.



Philipp und Julie Hann, Ludwig Hann, Pauline Heller (geb. Hann)

 
Philipp Hann wurde am 11. Januar 1877 im böhmischen Münchengrätz geboren. Julie Hann, geborene Grünwald, wurde am 24. Oktober 1875 in Pschepersch geboren.

1905 kamen beide nach Zittau und eröffneten ein Schuhwarengeschäft am Rathausplatz, später in der Reichenberger Straße 19. 1928 erwarben sie ein Grundstück in der damaligen Bismarckallee 30, heute Weinauallee, und bauten für sich und ihre Söhne Ludwig und Walter die Villa „Haus Barbara“. 1930 kauften sie das Haus in der Reichenberger Straße 10 und richteten hier ein sehr modernes Schuhgeschäft ein.
Während der NS-Zeit, verschlechterte sich die Lebensqualität der Familie entscheidend, fortwährend wurden sie zum Verkauf ihres Wohnhauses und des Geschäftshauses gedrängt. Im Sommer des Jahres 1938 beginnt die Arisierung des Schuhhauses. Mindestens zwei „Parteigenossen“ interessieren sich, laut Zittauer Gewerbeamtsakten, für die Übernahme des Geschäfts. Am 12.10.38 eröffnet ein „arischer Eigentümer“ unter neuen Namen das Geschäft, der Name Hann ist aus der öffentlichen Wahrnehmung der Stadt verschwunden. Nach Aussagen von Zeitzeugen wurde Philipp Hann durch SA Leute geschlagen und gehört zu den verhafteten jüdischen Männern, die nach Buchenwald verschleppt wurden.

Der jüngste der Familie, Sohn Walter gelang die Emigration in die USA. Am 8. September 1942 wurden Philipp und Julie Hann über Dresden nach Theresienstadt deportiert. Am 23. November desselben Jahres starb Julie Hann, wie viele alte Menschen, gezeichnet von Hunger, Entkräftung und Krankheiten im Ghetto Theresienstadt. Am 31. Dezember 1943 wurde Philipp Hann nach Auschwitz verschleppt. Von dort kehrte er nicht zurück.

Bis 1937 lebte in Zittau auch die verwitwete Schwester von Philipp Hann, Pauline Heller, geboren am 25.05.1874 in Münchengrätz. Die letzten Monate vor ihrer Rückkehr nach Müchengrätz verbrachte sie wahrscheinlich im Haus Barbara. Am 14. Dezember 1941 wurde sie von Prag nach Theresienstadt deportiert und am 19. Oktober 1942 nach Treblinka.

Ludwig Hann wurde am 13. Mai 1906 in Zittau geboren. Er besuchte das Zittauer Realgymnasium, lernte den Beruf eines Kaufmanns und arbeitete im väterlichen Geschäft. 1938 emigrierte Ludwig Hann nach Prag. Hier lernte er Vera Lichtenstein, eine slowakische Jüdin kennen. Beide heirateten am 06. April 1941. Ihre Eltern, Verwandten und Freunde konnten nicht mit ihnen feiern. Sie durften ihren Wohnort nicht verlassen. Ludwig wurde am 04. Dezember 1942 nach Theresienstadt deportiert, kurz darauf auch Vera. Am 1. Oktober 1944 wurde er nach Auschwitz deportiert. 14 Tage später folgte Vera ihm nach. Als sie in Auschwitz ankam, befand sich Ludwig Hann schon auf seiner Odyssee durch die Konzentrationslager, die mit seiner Ermordung am 20. Februar 1945 in Dachau endete. Vera Hann kam über Freiberg, wo sie in der Rüstungsindustrie arbeiten musste, nach Mauthausen. Hier wurde am 02. Mai 1945 Vera und Ludwigs Tochter Eva geboren.

Paul Hauck

 
Paul Hauck, Friedrich Haupt-Strasse 16 (Einwohner Verzeichnis 1938 und Liste 1942)
Paul Hauck wurde am 6.Juli 1882 in Rentschen, Verwaltungsbezirk Zillichau/Guben geboren. Seine Eltern sind Eduard Hauck und Ernestine, geborene Born. Paul Hauck ist verheiratet mit Frieda Hauck, geb. Selzer oder Stelzer aus Zittau. Er hat den Beruf eines Buchprüfers. Anfang April 1920 wird die Tochter Ruth-Erika in Leipzig geboren, sie gilt später, nach Einführung der “Nürnberger Rassegesetze“ als Mischling 1. Grades. Paul Hauck ist bis 1936 bei der Firma Porsche & Co. in der Mittelstraße und als Handelsvertreter beschäftigt.

Wie John Duneck, beantragt auch Paul Hauck eine Reiselegitimationskarte für das Jahr 1938. Diese Karte wird ihm vom Gewerbeamt Zittau verweigert. Laut einer Liste von 1942, wird Paul Hauck mit 4 anderen, noch vorhandenen männlichen Juden durch die Polizei verpflichtet, auf dem jüdischen Friedhof in Zittau alle Eisenteile abzumontieren.

Am 11.Januar 1944 wird er im Transport „V10“ von Dresden nach Theresienstadt gebracht. In Theresienstadt dürfte er die „Stadtverschönerung“, den Besuch des IKRK und den Dreh des Propagandafilms erlebt haben. Am 28.10. 1944 wird Paul Hauck mit dem letzten Transport von Theresienstadt (EV) nach Auschwitz deportiert.

Bei diesem Transport fand die letzte Selektion statt, am 2.November endete die Tötung mit Zyklon B. Der Transport EV hatte 2038 Insassen von denen 1859 ermordet wurden. Paul Hauck war nicht unter den 171 Überlebenden des Transports.

Familie Duneck

 
John, Erna und Dorothea Duneck, Theodor Körner-Allee 13
Er wurde 1893 in Königsberg geboren, sie 1892 in Gilgenburg bei Allenstein ebenfalls in Ostpreußen. Er meldet sich 1914 als Kriegsfreiwilliger und wird 1918 als Vizefeldwebel entlassen. John Duneck heiratet Erna, geborene Feibusch, sie zieht nach Königsberg zu ihrem Mann. Dort werden ihre beiden Kinder geboren: Dorothea (1924) und Georg.

Laut Zittauer Adressbuch betreiben sie von 1930-1934 ein Schuhgeschäft mit der Alleinvertretung der Firma „Salamander“ in der Inneren Weberstrasse 17, später in der Frauenstrasse 4 ein Schuhwaren- und Textilgeschäft, 1934 wird ein Konkurs angemeldet. Seit 1933 braucht John Duneck eine „Legitimationskarte für Kaufleute und Handelsreisende“, vom Gewerbeamt Zittau. Er vertritt in Zittau mehrere Firmen und bekommt im Dezember 1937 seine letzte Legitimationskarte.
Im Januar 1938 sollen laut Staatspolizeileitstelle Dresden jüdische Handelsvertreter grundsätzlich durch arische Vertreter ersetzt werden, den jüdischen Vertretern ist die Legitimationskarte zu entziehen, Begründung: grundsätzlich politisch unzuverlässig!
Die Karte wird im April 1938 mit eben jener Begründung entzogen. John Duneck wehrt sich, schöpft alle juristischen Möglichkeiten aus. Nach längerem Hinhalten beschließt das Sächsische Oberverwaltungsgericht am 14.12.1938 die Rechtmäßigkeit der Entziehung, die Ablehnung der Klage, zu Kosten des Klägers.

Familie Duneck zieht wahrscheinlich 1938 nach Berlin Spandau in die Achenbachstrasse 7, zu Foerder. Von dort werden John und Erna Duneck am 19.04.1943, mit dem „37. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert(681 Insassen).
Ihre Tochter Dorothea wurde schon am 03.03.1943, mit dem „33. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert(1726 Insassen).
Beide Transporte fuhren vom Güterbahnhof Putlitzstraße am Berliner Westhafen. Ein Mahnmal erinnert heute auf der Putlitzbrücke an den damals größten Deportationsbahnhof Berlins.

Der überlebende Bruder Georg gab die Daten, versehen mit den jeweiligen Passbildern wahrscheinlich am 1.Mai 1999? an die zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem/Jerusalem. Eine weitere Nachforschung, eine mögliche Verwandtenanfrage in Omer Israel verlief bisher ohne Ergebnis.

Albert Müller

 
Albert Müller wird am 23.4.1885 in Olbersdorf geboren, wo er auch zur Schule geht. Im August 1908 heiratet er seine Frau Martha und wohnt in der Goldbachstraße 59 in Zittau.
1909 wird der erste Sohn, Walter geboren, er kommt im 2. Weltkrieg ums Leben. 1913 wird Hilde und 1921 der zweite Sohn, Erich geboren. Albert Müller arbeitet ab 1912 bis 1929 in der Lohnbuchhaltung, im Kontor der Zittauer Phänomen Werke.

1929 geht Albert Müller aufgrund einer psychischen Erkrankung für 6 Monate in die Landesheil- und Pflegeanstalt Großschweidnitz, eine erneute Einlieferung erfolgt im Sommer 1931. Er schreibt 1929 an seine Frau und seine Kinder, fühlt sich an seiner Erkrankung schuldig, die ungeklärte Versorgung seiner Familie versetzt ihn in Unruhe, er nimmt seine Hilflosigkeit, seine Verlassenheit und seine zunehmende Rechtlosigkeit wahr.

Von Großschweidnitz wird Albert Müller am 20.9.1940 in die vormalig sehr fortschrittliche Heil- und Pflegeanstalt auf den Pirnaer Sonnenstein „verlegt“. Dort wird er wahrscheinlich unmittelbar nach der Ankunft, im Rahmen der „Aktion- T4“ ermordet. T4 bezeichnet eine sogenannte Zentraldienstelle in der Berliner Tiergartenstraße 4, einer Tarnorganisation für die Durchführung der Ermordung vom psychisch und physisch erkrankten Menschen.

Der Mord mit Kohlenmonoxid gilt als Versuch für die ersten Vernichtungslager im besetzten Polen - wie in Chelmno und Sobibor.
Um Spuren der Ermordung zu verwischen, wird die Asche von Herrn Müller von Grafeneck an das Friedhofsamt in Zittau geschickt, in Grafeneck findet sich keine Spur von Albert Müller. In der „Aktion -T4“ wurden 70 000 Menschen ermordet - Albert Müller wurde 55 Jahre alt.

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